Zerrspiegel

 

Vor einem Spiegel stand ich

mein Gesicht

mein Körper

verzerrt

fremd

und zu Stein geworden

in den Jahren

in denen ich schwieg

und nichts in mir sang

nur das Gekrächze

eines sterbenden Rabens

nachts

bevor ich einschlief

in meinem Kopf

 

Den Spiegel zerschlagend

fühlte ich mich erlöst

doch als seine Scherben

in mein Fleisch drangen

da war nichts mehr Stein

da war Blut

das aus meinem Körper floss

die Erde rot färbte

und mich verlies

 

Blutleer

Schwach

nicht einmal der Rabe

gab noch einen Laut von sich

Verloren

Vergessen

wähnte ich mich

Wunden

die sich nicht schließen ließen

da die Scherben

tief in meiner Haut vergraben waren

und das Blut

das unaufhörlich floss

 

Verwelkt

wie die entwurzelte Rose auf einem vergessenen Grab

Doch dann

kam das Leben zurück

riss mir mit seiner zärtlichen Hand

die Scherben des Spiegels hinaus

 

Nur manchmal

nachts

wenn der Rabe wieder krächzt

da weiß ich

dass es noch einen Teil

des Spiegels

in mir gibt

der vergessen wurde

und immer neue Wunden reißt

 

Doch ich kann ihn tragen

da mein Herz kein Stein ist

sondern Leben und Liebe und Lust

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